Über MVZ

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) in Deutschland

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind innovative Einrichtungen der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung, in der mehrere ärztliche oder psychotherapeutische Fachgebiete zusammenarbeiten. Ziel ist eine strukturierte Zusammenarbeit und eine patientenorientierte Versorgung aus einer Hand. MVZ sind eine weitere Säule der medizinischen Versorgung und stehen zwischen Einzelpraxen und den Krankenhäusern.

MVZ ähneln den Polikliniken in der früheren DDR, denn hier können beliebig viele Ärzte im Angestelltenverhältnis tätig sein und eine ambulante Versorgung außerhalb eines Krankenhauses bieten. Vertragspartner der Krankenversicherung ist das MVZ, nicht der einzelne Arzt.

Grundlage ist das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) vom 1. Januar 2004. Entscheidend ist dabei der Paragraph 95 des Fünften Sozialgesetzbuches (SGB V). Diese Regelungen wurden durch das neue Versorgungsstrukturgesetz (VStG) der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV), das zum 1. Januar 2012 in Kraft trat, modifiziert. Die Bedingungen, unter denen ein MVZ gegründet werden kann, wurden dadurch eingeschränkt.

In einem MVZ müssen mindestens zwei Ärzte mit verschiedenen Facharzt- oder Schwerpunktbezeichnungen tätig sein. Diese fachübergreifende Ausrichtung beruht auf dem Grundgedanken des MVZ.

Gegründet werden kann ein MVZ nach den neuen Einschränkungen nur noch von Vertragsärzten der gesetzlichen Krankenversicherungen, von Krankenhäusern und von Erbringern nichtärztlicher Dialyseleistungen. Die zugelassenen Rechtsformen sind die Personengesellschaft, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die Genossenschaft. Die Aktiengesellschaft (AG) ist als Rechtsform für MVZ explizit ausgeschlossen. Für MVZ, die zwischen 2004 und 2012 unter liberaleren Bedingungen gegründet worden sind, gilt Bestandsschutz.

Jedes MVZ muss einen ärztlichen Leiter haben, der zuvor bereits Vertragsarzt der GKV gewesen sein muss.

MVZ – Vorteile für die Patienten

Eines der Ziele der Einführung von MVZ ist es, die ambulante Krankenversorgung auf wenige, aber effektive und kostengünstige Zentren zu konzentrieren. Hier findet der Patient eine ausreichende, gemeinschaftlich genutzte Infrastruktur vor.

Da die MVZ fachübergreifend strukturiert sind, erhält der Patient hier „Versorgung aus einer Hand“. Umständliche Überweisungsvorgänge können reduziert werden, es entstehen nur kurze Wege, und die Informationen fließen schneller von Arzt zu Arzt. Eine vernetzte EDV schafft weitere Vorteile.

MVZ – Vorteile für die Ärzte

Viele junge Ärzte möchten nicht mehr in einer Klinik arbeiten, scheuen aber die Risiken und die Anforderungen einer Niederlassung in einer eigenen vertragsärztlichen Praxis. In einem MVZ kann ein Arzt auch außerhalb einer Klinik ein festes Arbeitsverhältnis mit geregelter Arbeitszeit eingehen. Er geht dabei keinerlei unternehmerisches Risiko ein.

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit der Einrichtung flexibler Arbeitszeitmodelle. Angestellte Ärzte können auch Teilzeitstellen einnehmen, was besonders bei familiären Verpflichtungen interessant ist.

Trend: Kontinuierliches Wachstum

Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) steigt die Zahl der in Deutschland zugelassenen MVZ ständig. Rein statistisch gesehen kann man sagen, dass in den letzten Jahren durchschnittlich jeden Werktag ein MVZ gegründet wurde. Und der Trend setzt sich fort.

Im dritten Quartal 2010 waren in Deutschland 1.612 MVZ mit insgesamt 8.264 Ärzten zugelassen. Davon waren 1.345 Vertragsärzte, 6.919 Ärzte arbeiteten als Angestellte. Durchschnittlich sind etwas mehr als fünf Ärzte in einem MVZ tätig. Das stärkste Wachstum weist die Gruppe der angestellten Ärzte auf. Die am häufigsten beteiligten Facharztgruppen sind Hausärzte, Internisten, Chirurgen und Gynäkologen.

Der KV-Bezirk mit den weitaus meisten MVZ ist Bayern, hier waren im 3. Quartal 2010 bereits 304 MVZ zugelassen, danach folgen Niedersachsen (171) und Berlin (147).

Vorwiegend werden MVZ von Vertragsärzten und Krankenhäusern gegründet. Dabei ist festzustellen, dass etwas mehr als ein Drittel der MVZ von Krankenhäusern gegründet wurde, ein Verhältnis, das in den letzten Jahren tendenziell stabil geblieben ist.

Ein deutlicher Trend macht sich hingegen bei der Wahl der Vertragsformen bemerkbar. Fast alle MVZ werden als GmbH oder als GbR gegründet. Während die Zahl der GbR nur noch sehr langsam wächst bzw. stagniert, steigt die Zahl der GmbH deutlich an. Die Rechtsform der GmbH ist besonders gut für ein Konzept mit angestellten Ärzten geeignet, deren Zahl in MVZ auch ständig steigt. Beides deutet auf einen Trend in Richtung zunehmende Kommerzialisierung mit angestellten Ärzten und weg von der Freiberuflichkeit hin.

Gegenbewegung: ÄVZ

Als Gegenbewegung wurde im Jahre 2010 die Patiomed AG von Vertretern der Ärzteschaft gegründet. Dieses neue Unternehmen soll die Freiberuflichkeit der Ärzte fördern bzw. erhalten und zu diesem Zweck die Gründung von Ärztlichen Versorgungszentren (ÄVZ) unterstützen. Dieses Konzept ermöglicht jungen Ärzten ebenfalls ein angestelltes Arbeiten, fördert aber im weiteren Verlauf der Karriere einen Wechsel in die Freiberuflichkeit. Auch bei den ÄVZ sollen die Vorteile der kooperativen Versorgung ähnlich wie bei den MVZ zum Tragen kommen.

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