Versorgungsstrukturgesetz: 9. Rheinischer Kongress für Versorgungsforschung sieht Chancen und Risiken

9. Rheinischer Kongress für Versorgungsforschung

Schwerpunkt des 9. Rheinischen Kongresses für Versorgungsforschung, der vom 28. bis 29. September 2011 im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf stattgefunden hat, ist das augenblicklich noch im Gesetzesverfahren befindliche Versorgungsstrukturgesetz der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VStG) gewesen. Die Referenten widmeten sich vor allem der Frage, welche möglichen Auswirkungen das geplante Gesetz auf die ärztliche Versorgung haben wird und wie die Folgen des für die nächsten Jahre zu erwartenden Ärztemangels abgemildert werden können.

Prof. Dr. med. Dipl.-Kfm. (FH) Rainer Riedel, Direktor des Instituts für Medizin-Ökonomie & Medizinische Versorgungsforschung an der Rheinischen Fachhochschule Köln an, regte an, dass „Generationspraxen mit ärztlichen Senioren und jungen Ärztinnen mit kleinen Kindern gemeinsam eine Praxis für ihre Patienten führen sollen“. Solche Kooperationsmodelle seien auch deshalb wegweisend, weil die zu erwartenden Arbeitszeiten von Ärztinnen wegen ihres familiären Engagements niedriger ausfallen dürften. Auch biete nach Ansicht der Experten das Versorgungsstrukturgesetz die Chance, die Versorgung in ländlichen Regionen zu verbessern und im Gegenzug eine ärztliche Überversorgung in Städten abzubauen, was im Sinne der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wäre.
Positiv erwähnt wurde die Möglichkeit, zukünftig neue Untersuchungs- und Behandlungsverfahren (NuBs) gemäß § 137e SGB V auch in der ambulanten Versorgung einzuführen.

Ambulantes Operieren

Kontroverse Diskussionen gab es zum Thema Erweiterung des §116b SGB V um die Tätigkeiten des ambulanten Operierens. Nach Ansicht von Dr. Axel Neumann, Präsident Bundesverband für Ambulantes Operieren, sei zu erwarten, dass durch die Aufnahme des ambulanten Operierens in die spezialisierten medizinischen Leistungen die ärztliche Vergütung erhöht werden könne.

Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Das geplante GKV-VStG und seine möglichen Auswirkungen auf die ärztliche Versorgung“ wies Prof. Dr. Rainer Riedel darauf hin, dass im Rahmen der medizinischen Versorgungsforschung keine ausreichenden Daten zur Verfügung stünden, um eine patientengerechte ärztliche Bedarfsplanung für die Zukunft zu erstellen.

Vorkaufsrecht für Kassenarztsitze

Darüber hinaus fand der im Entwurf des Versorgungsstrukturgesetzes eingeführte § 87c SGB V mit dem Vorkaufsrecht der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) bei Aufgabe des KV-Sitzes große Aufmerksamkeit. Dabei wurde hervorgehoben, dass die KVen in Ballungszentren mit Augenmaß von diesem Vorkaufsrecht Gebrauch machen werden.

Jedoch ist zurzeit nicht geklärt, inwieweit die KVen diese Praxiskäufe realisieren können, ohne dass parallel das Honorarvolumen für niedergelassene Ärzten sinken wird.

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