MVZ: Aufwärtstrend hält an

BMVZ zieht auf Jahreskongress Bilanz

Dr. Bernd Köppl auf dem 5. BMVZ-Jahreskongress

Das Konzept der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) befindet sich in Deutschland weiter im Aufwind – trotz einiger Unsicherheiten für die Zukunft und trotz der geplanten Einschränkungen durch die Politik. Diese Bilanz zog Dr. Bernd Köppl, Vorstand des Bundesverbandes Medizinische Versorgungszentren etc. (BMVZ) auf dem 5. Jahreskongress seines Verbandes in Berlin am 16. September 2011.

Köppl berief sich auf die Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die mittlerweile für das dritte Quartal 2010 vorliegen, und auf die MVZ-Umfrage 2011 des Verbandes. Deutlich über 200 MVZ-Neugründungen pro Jahr können für Deutschland in den letzten Jahren verzeichnet werden, ein Drittel davon befindet sich in der Trägerschaft von Krankenhäusern. Im September 2010 ist die Zahl von 1.612 Zentren erreicht worden. Die Zahl der in MVZ tätigen Ärzte war im Herbst 2010 auf 8.264 gestiegen, was 6,6 Prozent der Vertragsärzte in Deutschland entspricht.

 Angestelltenverhältnis beliebt bei Ärzten

Die Zahl der in einem MVZ angestellten Ärzte wächst deutlich schneller als die Zahl der MVZ-Freiberufler. Zum September 2010 waren 6.919 Ärzte in Deutschland in einem MVZ angestellt, das entspricht mittlerweile einer Quote von 84 Prozent.

An der regionalen Verteilung der MVZ ist abzulesen, dass sich die einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) in ihren jeweiligen Bezirken sehr unterschiedlich kooperativ bei Neugründungen verhalten. So gibt es die meisten MVZ in Bayern (2010: 304), in Niedersachsen (171) und Berlin (147), dicht gefolgt vom Bezirk Nordrhein (144).

Die Umfrageergebnisse des BMVZ von 2011 ergäben ein interessantes Bild, so Köppl. So sei zum Beispiel auch die medizinische Grundversorgung in den MVZ vertreten -  nicht nur Facharztzentren und Spezialversorger. Immerhin 18,9 Prozent der MVZ sehen sich als Leistungserbringer in der Grundversorgung, wozu neben Hausärzten und Internisten auch Kinderärzte, Frauenärzte und konservative Augenärzte zählen.

Versorgung für den ländlichen Raum

MVZ entwickeln sich auch in die Breite und konzentrieren sich nicht, wie von Kritikern befürchtet, in den Großstädten. Mehr als zwei Fünftel der MVZ befinden sich mittlerweile im ländlichen Raum. Hier sind die MVZ auch zunehmend durch Nebenbetriebsstätten vertreten, das heißt, die MVZ versorgen den ländlichen Raum durch Außenstellen. Generell geht der Trend zur Zweigstelle, fast die Hälfte der MVZ hat eine oder mehrere Nebenbetriebsstätten.

Besonders auffällig ist der Zustrom von jungen Ärzten in die MVZ. Die Möglichkeiten der Anstellung in einem MVZ sind offensichtlich bei der Nachwuchsgeneration beliebt.

Die Umfrage des BMVZ 2011 untersuchte auch die Akzeptanz der MVZ seitens der jeweiligen KV und der niedergelassenen Kollegen. Es war durchweg festzustellen, dass die MVZ mit der Etablierung dieser neuen Versorgungsform eine bessere Akzeptanz erzielen, wobei es jedoch Unterschiede bei den Trägerschaften gibt. Wenn ein MVZ von freiberuflichen Ärzten getragen wird, ist die Akzeptanz am größten. Besser ist auch die Aufnahme in den neuen Bundesländern, was nicht verwundert. Die MVZ sind in ihrer Konzeption im Wesentlichen den alten DDR-Polikliniken nachempfunden. Diese Versorgungsform ist im Osten besser bekannt.

Bedenklich stimmt nur die Einschätzung der künftigen wirtschaftlichen Situation der MVZ. Im Jahre 2008 waren noch 49,0 Prozent der Befragten optimistisch, 44,0 Prozent erwarteten keine Änderung, nur 7,0 Prozent äußerten sich pessimistisch. Die Zahl der Optimisten hat im Jahre 2011 deutlich abgenommen und ist auf 35,8 Prozent gesunken. Keine Veränderung erwarteten heute 33,3 Prozent. Pessimistisch gestimmt waren mittlerweile auch etwa ein Drittel, und zwar 30,9 Prozent. Es scheint, als wenn die Zukunft der MVZ unsicherer als früher beurteilt wird.

Lösungen für die Zukunft

Hier gelte es für die Politik, Klarheiten zu schaffen und Planungssicherheit herzustellen, so BMVZ-Vorstand Köppl. Die MVZ seien ein zukunftsträchtiges Konzept und böten Lösungen für die Fragen der medizinischen Versorgung in Deutschland. Hier müsse die Gesundheitspolitik der Bundesregierung ansetzen, und zwar mit Förderung und nicht mit Einschränkung.

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