Insolvenz: Gefahren für Medizinische Versorgungszentren (MVZ)

Finanzielle und gesellschaftsrechtliche Krisen können ärztliche Kooperationsmodelle bedrohen

von Hermann Kulzer M.B.A.( Sozialmanagement), Rechtsanwalt, Fachanwalt (Dresden, Berlin, Augsburg)

Rechtsanwalt Hermann Kulzer

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind Einrichtungen zur ambulanten medizinischen Versorgung. In den rund 1.600 MVZ, die zurzeit in Deutschland existieren, arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen – teils als Angestellte, teils als Inhaber, Partner oder Geschäftsführer.

Es sind verschiedene gesellschaftsrechtliche Gestaltungen möglich, von der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) über die Partnerschaft bis zur Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH).

Gründe für die Einrichtung von MVZ sind:

  • Erweiterung des Leistungsangebots
  • Kosteneinsparung durch gemeinsame Nutzung von Ressourcen, wie Geräte, Räume und Personal
  • Kurze Wege der Patienten und Ärzte
  • Entlastung von verwaltungstechnischen Aufgaben.

Die wirtschaftliche Lage ist jedoch für zahlreiche MVZ kritisch. Oft fehlt die unternehmerische Kompetenz. Viele Ärzte in einem MVZ sind zwar fachlich sehr qualifiziert, aber keine Unternehmer. Die Erfahrung zeigt, dass sie immer wieder Opfer überhöhter Preisangebote bei Investitionen werden oder Verträge mit großen Lücken oder Fallen unterschreiben.

Faktor innere Organisation des MVZ

Ein weiterer Krisenfaktor stellt die innere Organisation dar. Die Regeln der Zusammenarbeit, einschließlich der Rechte und Pflichten innerhalb der MVZ, sind in vielen Fällen unzureichend geregelt und bieten Raum für Streit unter den Partnern. So werden unkalkulierbare Konfliktpotentiale geschaffen.

Im schlimmsten Fall droht die Krise des MVZ mit möglicher Insolvenz der Beteiligten. Viele Schwierigkeiten und Krisen könnten vermieden werden bei entsprechender Vorsorge. Wann ist eine Beratung durch Fachanwälte notwendig?

Beratung notwendig

Zum Beispiel sollte in einer Phase auslaufender Kredite Beratung eingeholt werden. Wichtige Maßnahmen sind in dieser Situation die Konzipierung einer Umfinanzierung und die Bewerbung um Fördermittel.

In einer Phase erforderlicher Neuinvestitionen gilt es, sich die Vertragsgestaltung genau anzusehen, alternative Finanzierungsformen zu finden und die Preisverhandlungen effektiv zu führen.

Ist die Krise bereits eingetreten oder droht gar Insolvenz, sind Fachleute gefragt, die mit den Themen Prüfung der Zahlungsfähigkeit und Installation einer Liquiditätskontrolle sowie mit der Erstellung eines Sanierungs- oder Insolvenzplans beschäftigen.

Wenn ein Gesellschafterstreit die Existenz eines Kooperationsmodells gefährdet, stehen die Themen Schlichtung, Auseinandersetzung des MVZ, Liquidation oder Verkauf an.

Risikomanagement und Vorsorge

Generell gilt, dass besonders in einem MVZ kontinuierlich Einsparungspotentiale ermittelt werden müssen, ohne die Qualität der ärztlichen Leistungen zu beeinträchtigen. Was auch in den MVZ wenig beachtet wird, ist das Risikomanagement. Vorsorge muss betrieben werden, bevor es zu spät ist. Es ist sicherzustellen, dass Gesellschafter und Geschäftsführer nicht persönlich in Haftung genommen werden können. Bestehende Verträge sollten laufend überprüft und aktualisiert werden.

Wirkungsvolle Hilfe kann dabei ein qualifizierter Fachanwalt leisten.

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