Koalitionsverhandlungen: Freiberufliche Ärzte oder private Investoren? Wer soll bei MVZ das Sagen haben?

Anfang 2012 soll das neue Gesetz zur medizinischen Versorgung in Kraft treten. Viele Punkte sind noch offen, auch zum Thema Medizinische Versorgungszentren (MVZ). Die Verhandlungen der Regierungskoalition werden Mitte März 2011 in die nächste Runde gehen. Erste Stellungnahmen liegen aber bereits vor und werden in den Medien und von den Verbänden diskutiert.

Gesundheitsminister Rösler beharrt darauf, dass MVZ nur von freiberuflichen Ärzten geführt werden sollten, wie es auch in der Koalitionsvereinbarung zwischen Union und FDP festgelegt ist. Die Union dagegen sieht in der Führung durch private Investoren mehr Chancen für die Entwicklung des Gesundheitssystems. Von privaten Investoren gegründete MVZ könnten Ärzte anstellen und flexibel in medizinisch unterversorgten Gebieten zum Einsatz kommen lassen. Jungen Ärzten kommt dieses Konzept offensichtlich entgegen, viele scheuen unter den gegenwärtigen Umständen die Risiken einer Niederlassung und der damit verbundenen Freiberuflichkeit.

Für Dominanz der Freiberufler

Die Ärztekammern stehen dagegen für eine dominante Position der freiberuflichen Ärzte. Es wird befürchtet, renditeorientierte Investoren könnten zuviel Einfluss auf die medizinische Versorgung gewinnen und das Wohl der Patienten hintanstellen. Die FDP, der von Seiten der Union eine gewisse „Arztromantik“ vorgeworfen wird, sieht die freiberuflichen Ärzte als eigene Wählerdomäne und beharrt daher auf der Koalitionsvereinbarung.

Martin Grauduszus, Präsident des Verbandes Freie Ärzteschaft e.V., unterstützte am 25. Februar 2011 Minister Rösler in einer Pressemitteilung: „Volle Unterstützung gebührt Bundesgesundheitsminister Rösler bei seiner Haltung, Medizinische Versorgungszentren (MVZ) ausschließlich von Ärzten betreiben und führen zu lassen.“ Grauduszus wirft der CDU gar vor, sich mit „nicht hinnehmbaren Enteignungs-Szenarien“ zu beschäftigen. „Wer die Besetzung freiwerdender Arztsitze per Gesetz verhindern will, sabotiert die Versorgung kranker Menschen, dekapitiert die Freiberuflichkeit der Ärzte und verhöhnt damit die größte gesellschaftliche Gruppe überhaupt in diesem Lande – nämlich die Patienten und ihre Ärzte“, so Grauduszus.

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